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Im Sommer nicht auf dem Trockenen sitzen

Magazin Wasserpumpe

Zwei Dürresommer in Folge und nun schon wieder ein extrem trockenes Frühjahr. Mitte Juni stauben die Böden an manchen Orten schon wie sonst im Hochsommer. Dabei gibt es durchaus Wege, Wasser im Garten zu sparen, vor allem das zum Sprengen viel zu gute und teure Wasser aus der Trinkwasserleitung. Feuchtigkeit lässt sich auf unterschiedliche Arten speichern. Wir hätten da ein paar Vorschläge.

Landschaft modellieren

„Man muss Hügel anlegen und den Boden stark bedecken“, sagt Thomas Fritsch. Der junge Berliner Gartenbauer hat sich auf genügsame Gärten spezialisiert. Schon mehrfach hat er für seine Kunden die Flächen rund um deren Haus auf einen Wassersparmodus umgestellt. Mit einer Einschränkung: Der Rasen bleibt ein schwieriges Terrain. „Wenn es ein grüner Golfrasen sein soll“, sagt Fritsch, „hilft meist nur eine automatische Bewässerung.“ Jede Trockenperiode macht die Fläche sonst unweigerlich gelb.

Abgesehen davon aber will Gärtner Fritsch ohne fest installierte künstliche Beregnung auskommen. Er schüttet Hügel und Wälle auf, die er üppig und abwechslungsreich bepflanzt. „Je mehr Pflanzen stehen, desto besser ist der Boden vor Austrocknung geschützt“, sagt Fritsch. Und auf einen Hügel passen mehr Pflanzen als auf die platte Erde, bei gleichem Grundriss erhöht sich die Beetfläche. Auf einem Hügelbeet können sich die Gewächse außerdem bei extremer Hitze und Trockenheit besser selbst schützen, sie spenden sich gegenseitig Schatten, die großen Sträucher den kleineren Stauden zum Beispiel. Ihre Verdunstungsarbeit verbessert das Mikroklima – und die Pflanzen müssen weniger gegossen werden.

Solch ein Hügel wirkt, richtig angelegt, wie ein Schwamm. „Bei einer Dürre kühlt er das Erdreich von unten“, erläutert Anja Riedel, eine Gemüsezüchterin aus Riesa in Sachsen. Sie betreibt dort einen großen Garten und den Blog anjasgartenreich.de. Die Liebe zum Grün hat sie von ihren Großeltern, inklusive vieler althergebrachter Gartentricks. Ein Hügelbeet kann man sich vorstellen wie eine natürliche Tröpfchenbewässerung, von innen. Die größere Beetfläche ist auch für den Anbau vorteilhaft, weil so mehr Gemüse wachsen kann.

Anja Riedel aus Sachsen und Thomas Fritsch aus Berlin nehmen Holz oder groben Grünschnitt als unterste Schicht, wenn sie eine Erhebung anlegen. Steine dürfen dabei sein. „Ziegel sind perfekt“, sagt Fritsch, oder Bims. In der porigen Struktur sammle sich Wasser. An noch eine Grundregel gegen das Austrocknen erinnern die beiden Gärtner: Man müsse den Boden zwischen den Pflanzen dicht bedecken. Anja Riedel gibt Mulch aus Rasenschnitt oder Kompost und Holzhackschnitzel in ihre Beete. Der Boden bleibt eher kühl, selbst wenn die Sonne brennt. Gärtner Fritsch arbeitet hingegen auch oberirdisch mit Steinen. Basalt oder helle Splittgesteine schüttet er zwischen die Pflanzen. Eine Geotextilfolie legt er darunter, sie lässt Regen hinein ins Erdreich, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass wenig Feuchtigkeit nach oben verdunstet. Jede Staude, jede Blume hat in dieser Folie ihre eigene Öffnung, so kann der Gärtner die Pflanzengemeinschaft kontrollieren und den Wildwuchs reduzieren. Es soll ja eine Zierfläche sein, die er anlegt, ressourcenschonend, aber möglichst ohne Unkraut. Mit den Pflanzen, die er dort zulässt, dürfe man ruhig etwas rigoros umgehen: „Umso weniger Wasser man zugibt, umso robuster werden sie“, sagt Fritsch. „Gewöhnt man sie daran, wissen sie sich vor Trockenheit zu schützen.“

Magazin Regenwasser sammeln

Regenwasser sammeln

Es kann auch die gute alte Regentonne sein – aber in Übergröße. Das Prinzip ist uralt: Man fängt das Wasser für den Garten aus der Regenrinne des Wohnhauses auf, technisch eine simple Sache. Mittlerweile sind die Tankgrößen ins Kolossale gestiegen. Zisternen mit bis zu 9.000 Litern Fassungsvermögen – das ist so viel, wie in einen jener gängigen Gartenpools mit 3,5-Meter-Durchmesser passt – werden neben Einfamilienhäusern in der Erde vergraben. Die Größenordnungen lassen selbst einen erfahrenen Wassertankhändler wie Wulf Grepel staunen: „Der Boom ist riesig“, sagt der Norddeutsche, einer der Gesellschafter von Zisternenprofi.de, „und dieser Boom hört gar nicht auf.“ Seine Firma aus Seevetal südlich von Hamburg liefert Komplettanlagen von Regenwassertanks mitsamt den Pumpen an die Kunden. „Viele tausend Anlagen sind das im Jahr“, sagt Grepel. Nach den Dürresommern 2018 und 2019 stieg die Nachfrage noch weiter. Selbst in Pandemie-Zeiten haben viele Hauseigentümer Tanks bestellt. Wohlgemerkt, hier geht es nur um Gartenanlagen, jene XXL-Tonnen mit 2.000 bis 9.000 Liter Fassungsvermögen für die Gartenbewässerung. Also keine gekoppelten Anlagen, die auch Wasser für Waschmaschine oder Toilettenspülung liefern sollen, oder für ein modernes ökologisches Regenrückhaltesystem. „Nein, 95 Prozent aller bestellten Anlagen seien ausschließlich für die Gartenwässerung“, sagt Grepel. Viele Kunden wollten autark sein. Wer ein Hausdach von 100 Quadratmeter Fläche hat, erzielt bereits bei einem schwachen Regen 400 Liter Wasser pro Stunde. Ein 2.000-Liter-Tank könne demnach immer gut gefüllt sein. Die kleinsten Tankmodelle kosten um die 1.000 Euro. Viele Kunden buddeln sie dann selbst ein. Um die 3.000 bis 4.000 Euro zahlt man für die großen Modelle. In vielen Städten bieten auch lokale Händler solche Zisternen an. Der Vorteil ist, dass man keine behördliche Genehmigung für den Einbau braucht.

Magazin Brunnen

Der eigene Brunnen

Manchen mag die altmodische, gusseiserne Schwengelpumpe, die bisweilen am Rand eines Blumenbeets steht, ja allein als Gartendekoration gut gefallen. Ein schönes Relikt, das an Selbstversorgung und Bauernhofromantik denken lässt. Aber steckt dahinter, oder besser darunter, ein aktiver Grundwasserbrunnen, dann ist das für den Gärtner Gold wert. Das Wasser aus der Tiefe kostet nichts, da lässt sich sehr viel Geld sparen, wenn man zum Beispiel einen ganzen Sommer lang einen größeren Garten pflegen will. Man muss lediglich die Bohrung bei der Wasserbehörde anzeigen, so gilt es in allen Bundesländern. Grundwasser ist juristisch gesehen ein öffentliches Gewässer, wie ein See, und den dürfte man auch nicht ungefragt anzapfen. 

In vielen deutschen Regionen liegt das Grundwasser in Tiefen bis zu zehn oder fünfzehn Metern, manchmal sogar noch näher an der Oberfläche. Dann treibt eine Fachfirma einen sogenannten Bohrbrunnen in die Tiefe bis zur Grundwasserschicht. Eine Pumpe für den Handbetrieb, auch wenn sie noch so schmuck aussieht, gibt es danach gewiss nicht. Vielmehr muss eine elektrische Saugpumpe das Wasser fördern. Massenhaft werden solche Anlagen derzeit in deutschen Gärten installiert, ganz ähnlich wie die Zisternen. „Jeden Tag baut mein Betrieb mindestens einen Brunnen“, sagt Jörg Beneke, Ingenieur in der Geotechnik-Branche im Osten von Berlin. Hier und im Umland der Hauptstadt liegen große Einfamilienhausgebiete. Wenn bis zu fünfzehn Meter tief gebohrt wird, kostet eine einfache Anlage laut Beneke bis zu 1.500 Euro. Eine Genehmigung braucht man dafür in Berlin nicht, nur muss das Vorhaben, wie schon erwähnt, gemeldet werden. Wer tief bohren lässt, muss teils deutlich mehr investieren. „Ein 40-Meter-Brunnen kann leicht bis zu 7.000 Euro kosten“, sagt Fachmann Beneke. Bis sich diese Investition rechnet, muss der Gartenbesitzer sehr viele eingesparte Jahresrechnungen der Wasserbetriebe einkalkulieren.

Mehr als 10.000 Gartenbrunnen gibt es allein in der Hauptstadt, zumindest nach offiziellen Zahlen. Weit mehr als tausend kommen jährlich hinzu, darunter fielen 2019 zum Beispiel 600 Stück, die als tiefe Brunnen genehmigt werden mussten, plus all die flacheren Brunnen, die allerdings nicht recht gezählt werden.

Sparsame Wasseruhr

Auch dies ist ein Weg, eine horrend hohe Wasserrechnung zu vermeiden: Fast alle öffentlichen Versorgungsbetriebe bieten an, für das nachweislich nur im Garten genutzte Wasser einen extra Zähler einzubauen. Das dort durchlaufende Wasser gibt es dann zum Vorzugspreis ohne die anteiligen Kosten für Abwasser. Schließlich versickert Sprengwasser ja in der Natur und fließt nicht ins Kanalnetz. Bei den Berliner Wasserbetrieben etwa kostet der Kubikmeter dann weniger als die Hälfte des Trinkwasserpreises. Für die spezielle Wasseruhr allerdings muss man einmalig 200 Euro ausgeben.

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