Kleine Kämpfer mit großem Mut.

Das Waldpiraten-Camp für krebskranke Kinder und Jugendliche.

Kinder Krebs Stiftung LogoJahr für Jahr erkranken in Deutschland rund 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Intensive Bemühungen haben dazu geführt, dass heute etwa 75 Prozent dieser Patienten geheilt werden können. Dennoch bleibt Krebs im Kindesalter eine lebensbedrohliche Erkrankung, zumal auch die Heilung oft lebenslange Nachwirkungen hat.

Seit 2003 können sich krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Geschwister im Waldpiraten-Camp der Deutschen Kinderkrebsstiftung von der Krankheit und der Therapie erholen. Mehr als 400 Kinder nehmen inzwischen Jahr für Jahr an den erlebnispädagogischen Freizeiten teil. Die Kosten von annähernd einer Million Euro pro Jahr werden ausschließlich aus Spenden finanziert.

"Sieben Meter über der Erde war ich, dann bin ich gesprungen", berichtet Willi seiner Mutter aufgeregt am Telefon. "Das war Nervenkitzel pur - aber gesichert, Mama." Denn mit Seilen und Schließen wird jeder abgesichert, der sich an die Kletterwand im Camp der Waldpiraten macht: Fast so hoch wie mancher Baumwipfel ragt das Gerüst im Ferienlager der Deutschen Kinderkrebsstiftung bei Heidelberg in die Höhe. "Ich hatte zwar Schiss und bin erst nur halb hoch", fügt Willi hinzu. "Doch als mich Peter angefeuert hat, bin ich weiter bis ganz nach oben." Gleich zweimal hat er den Sprung in die Tiefe gewagt. Ein tolles Gefühl: "Als würde man fliegen", schwärmt der Elfjährige.

Auf solche Mutproben hat Willi früher oft verzichten müssen. Mit sechs Jahren wurde er krank. Seinerzeit musste der Junge viele Tage in der Klinik verbringen, statt mit seinen Freunden im Wald zu spielen oder Dämme zu bauen. "Doch heute geht es wieder gut", sagt er. Beim Klettern und Kanufahren mit den Waldpiraten holt er jetzt ein paar der ausgefallenen Abenteuer nach. Das durch Spenden finanzierte und 2003 eröffnete Camp im Heidelberger Stadtwald bietet ihm dafür auf 14.000 Quadratmetern Fläche genug Platz zum Toben - und Raum für Ruhe, wenn ihm danach ist. "Gestern wollte ich eine Stunde alleine im Legozimmer an meiner Burg bauen", berichtet er. "Das durfte ich." Jetzt ist die Burg fast fertig. Willi zeigt stolz auf seinen Bau, in dem Ritter und ein Henker wohnen, und strahlt.

Beim abendlichen Theater setzt sich die neunjährige Rosa in Szene. Auf der Bühne ahmt sie einen Leuchtturm nach und kringelt sich vor Lachen, weil keiner darauf kommt. "Das ist doch ganz einfach", ruft das Mädchen seinem Publikum zu, das aus den jüngeren Kindern im Camp besteht. Ihre Brüder Benito und Cosimo sitzen derweil bei den Großen am Lagerfeuer. Gebannt hören sie zu, wie Schauspielerin und Betreuerin Daniela Nerger eine Spukgeschichte vorliest, während die Flammen lodern.

Reden über das Durchlebte.

Benito gewinnt allmählich Abstand von den Sorgen, die ihn während Rosas Krankheit oft plagten. "Ich wollte etwas machen, wusste aber nicht was", sagt er. "Ich habe mich daneben hilflos gefühlt." Im Camp spricht er mit anderen Geschwister-kindern über solche Erfahrungen. "Ich weiß jetzt", ist er erleichtert, "dass ich nicht der einzige bin, dem es so ging." Überhaupt wird Reden unter den Waldpiraten groß geschrieben, zweimal am Tag gibt es Gesprächsrunden über das Durchlebte. "Da darf man auch mal weinen", sagt Moritz. "Die anderen wissen, wie Scheiße das war." Fast ein halbes Jahr wurde er immer wieder in der Klinik gegen Leukämie behandelt. "Die Therapie ist ganz schön hart", unterstreicht er. "Wenn man das durchgestanden hat, ist man wirklich stark."

Zumal er noch mehr aushalten musste: Als der 14-jährige Junge krank wurde, haben manche Leute nicht gleich begriffen, was das bedeutet. "Doch statt zu fragen", schimpft er, "haben sie gelacht und gesagt, äh, Krebs, da könnte ich mich ja anstecken." Umso wichtiger waren ihm später die vielen Briefe, die seine Klasse ihm schickte, und die Gebete, die die Familie seines Freundes täglich für ihn sprach. "Toll, diesen Rückhalt zu haben", schwärmt er. Trotzdem ist Moritz froh, gleich nach seiner Akuttherapie Leute zu treffen, die ihn ohne viele Worte verstehen. "Im Camp ist man nicht alleine mit seiner Krankheit", versichert er. "Man kann sich hier richtig frei fühlen und alles machen." Seine Kräfte reichen schon wieder dafür, beim Schmieden das Kupfer spiralförmig auszuhämmern und zu einer Schale zu formen. "Ich lerne dazu", begeistert sich Moritz. "Später will ich Schreiner werden."

Den Lebensmut und das Lachen zurückgewinnen.

"Bei uns sollen die Kinder ihren Lebensmut zurückgewinnen", wünscht sich Campleiterin Gabriele Geib. "Und ihr Lachen." Denn wie ein böser Geist bleibt manche Erinnerung an die Krankheit im Kopf kleben. Schon der Duft von Brokkoli kann reichen, und alles ist wieder da: Der Geruch von der Klinikkantine, die Chemotherapie, die Angst vor dem Krebs. Als beim Abendbrot ein Mädchen solch ein Schlüsselreiz überkommt, sie bleich und kurzatmig wird, geht Leiterin Geib mit ihr aus dem Saal. Draußen setzt sie sich mit der 16-Jährigen hin, nimmt ihre Hand und lässt sie ruhig von den aufsteigenden Erinnerungen erzählen. Später kann das Mädchen in den Speisesaal zurück, muss es aber nicht.

Es dauert eben, bis die inneren Batterien wieder aufgeladen sind. Zwischendurch müssen auch die tapfersten Piraten dafür gut ausschlafen. Kein Problem für Willi: Er zieht sich gerne ins Nachtlager seiner Blockhütte zurück. Dort ist ein kleines Fenster direkt neben seinem Bett eingelassen. "Meine Piratenluke", nennt Willi das. Durch den Ausguck kann er die Sterne sehen und vom Springen und Fliegen träumen.

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